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Geschichte Nr. 1

Die beinahe magische Brücke
Es ist ein regnerischer Morgen, als Marie mit ihren drei Kindern, diesen Platz auf sucht. Immer am selben Tag im Jahr, geht sie auf diese Brücke. Eben hier, erlebte sie einige wunderschöne Momente. Jedoch erlitt sie an diesem Ort auch etwas, das ihr ganzes Leben veränderte. Sie steht, einen aufgespannten Regenschirm in der Hand, mit ihren Kindern, Louisa, Tim und Ben, am Geländer und sieht in die Ferne. Sie blickt dorthin wo der Fluss, der unter der Brücke fließt, hinter den Bergen verschwindet. Marie erinnert sich zurück an ein paar Momente, die sie hier vor Jahren spüren durfte und erzählt dies ihren drei Kindern.


„Vor fast 25 Jahren, ich war beinahe 16, stolperte ich hier mit einem Mann zusammen, mit meinem Traummann. Ich war sofort fasziniert von ihm. Er entschuldigte sich, dabei war es gar nicht seine Schuld, denn ich war in ihn hinein gerannt. Wir kamen bald darauf zusammen. Sein Name,Tom. Ich war total verliebt in ihn. Und dann, an unserem 5. Jahrestag, der zugleich mein 21. Geburtstag war, stellte er mir die Fragen aller Fragen. Genau hier auf dieser Brücke, auf der wir uns das erste mal begegneten. Ich war unheimlich glücklich und beantwortete die Frage natürlich mit Ja. Als ich Tom dann knapp 2 Jahre später, auf dieser Brücke erzählte, dass ich schwanger bin, war er sehr glücklich. Dieser Ort war damals der beste, den ich mir vorstellen konnte, um diese Neuigkeit zu verkünden. Und auch als ich, mit dir Ben, bald darauf wieder schwanger war, erzählte ich ihm dies genau hier. Da euer Vater schon immer drei Kinder haben wollte, war es für ihn eine große Freude schon mal zweifacher Vater zu sein, fehlte nur noch ein Kind, zu seinem Traum, von einer 5-Köpfigen Familie. Doch die nächsten Jahre wollte es dann nicht mehr klappen. Tom akzeptierte dies und ging voll in seiner Rolle als Vater auf. Wie sehr ihr gelacht habt, wenn er mit euch gespielt hat. Er hatte die größte Freude dabei. Tom liebte euch von ganzem Herzen. Ich suchte mit Tom oft diese Brücke auf um mit ihm in Erinnerungen zu schwelgen. Dann wurde ich wieder schwanger und hatte vor, die Tradition weiter zu führen und es ihm hier auf dieser Brücke zu erzählen, an dem Ort der für mich etwas magisches hatte, schließlich sind mir hier bis damals nur schöne Dinge passiert. Also brachte ich euch, Louisa und Ben, zu meinen Eltern. Ich schrieb Tom eine SMS dass er nach der Arbeit mich bitte auf der Brücke treffen solle, da ich ihm eine Neuigkeit mitzuteilen hätte. Doch diese sollte er nicht mehr erfahren.“


Marie sieht hinunter in den Fluss, in diesem spiegelt sich ihr Gesicht und das ihrer Kinder. Sie bemerkt wieder wie ähnlich die Kinder ihrem Vater doch sehen. Alle drei haben seine Augen, in die sie so gerne sah. Sie holt tief Luft und blickt erneut in die Ferne. In ihrem inneren Auge jedoch, sieht sie die Szene, von vor, auf den Tag genau einem Jahrzehnt, immer noch so als ob es erst gerade passiert.


„Ich sehe immer noch vor mir, wie euer Vater auf mich zukam. Als er mich sah zeigte sein Gesicht das wundervolle Lächeln in das ich mich verliebt hatte. Ich lächelte noch breiter zurück als zuvor. Doch schlagartig veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Das Lächeln verflog und aus seiner Mimik konnte man nur noch eines lesen, Schmerz. Er fasste sich an die Brust und brach auf der Brücke zusammen. Ich schrie. Die nächste Szenen waren wie ein Traum, ein schrecklicher Albtraum. Ich stand da wie angewurzelt, unfähig mich zu bewegen. Doch irgendwie schaffte ich es dann doch. Es kam mir vor als schwebte ich auf den, auf dem Boden liegenden Körper zu. Dieser leblose Körper der mein Mann war. Ich umklammerte ihn so fest wie möglich. Dann schien die Zeit still zu stehen. Die Menschen um uns herum nahm ich nicht war. Das nächste was ich bemerkte war, wie Sanitäter mich auf die Seite zogen, um damit Platz für den Notarzt zu machen. Doch er konnte nur noch den Tod eures Vaters feststellen. Für mich brach eine Welt zusammen.“


An diesem Tag vor genau 10 Jahren ist die Magie der Brücke gebrochen.  Dieser Ort, mit dem sie wundervolle Momente in Zusammenhang bringt, brachte auch den schrecklichsten von allen. Diese Brücke schickte Marie ihren Mann in ihr Leben und nahm ihn genauso wieder. Hier begann und endete ihre Geschichte. Seit dem meidet sie die Brücke, bis auf diesen einen Tag im Jahr, um das Grab ihres Mannes zu besuchen, das dieser Platz jetzt für sie darstellt. Tom konnte nicht miterleben wie sein drittes Kind auf die Welt kam, das Kind das er sich so gewünscht hatte. Und Tim kann seinen Vater nie kennenlernen. Ein Vater darf nicht miterleben wie seine Kinder aufwachsen, er kann kein greifbarer Teil mehr von ihrem Leben sein. Jedoch existiert er immer noch in ihren Herzen. Marie blickt hinauf in den Himmel und denkt an Tom.


„Hier begann und endete unsere gemeinsame Geschichte, doch unsere Liebe wird nie enden. Denn diese Liebe lebt in unseren Kindern weiter. Ich danke dir für die wundervolle Zeit. Ich liebe dich, für immer.“


Marie schließt ihre Augen, sie weiß das Tom zugehört hat, denn plötzlich endet der Regen und die ersten Sonnenstrahlen fallen auf Marie.

29.3.16 19:47

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